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Empfehlungen zur Cyberabwehr. Was, wenn ein Cyberangriff droht?

Geschrieben von DriveLock | Mar 2, 2022 9:00:00 AM

Das BSI warnt in diesen Tagen vermehrt vor Cyberangriffen, angesichts der angespannten politischen Situation. Vor allem Betreiber kritischer Infrastrukturen und nationale Behörden sind Adressaten der Warnungen. Die Empfehlungen legen dar, was Organisationen und Unternehmen dieser Art grundsätzlich in einer hohen Cyber-Gefährdungslage IMMER beachten sollten, von der Prävention bis zu Reaktionsmaßnahmen bei laufender Cyberattacke.

INHALT
  1. ETABLIEREN SIE PRÄVENTIVE KRITISCHE SICHERHEITSKONTROLLEN
  2. CYBERABWEHR: REDUZIEREN SIE IHRE ANGRIFFSFLÄCHEN
  3. VERSTÄRKEN SIE DETEKTIONSMASSNAHMEN, UM ANGRIFFE SCHNELLSTMÖGLICH ZU ENTDECKEN
  4. DENKEN UND BEREITEN SIE REAKTIONSMASSNAHMEN VOR
  5. PLANEN SIE AUFWUCHS- UND DURCHHALTEFÄHIGKEIT IHRER IT & SICHERHEITSTEAMS BEI VERSCHÄRFUNG DER LAGE

 

A. Wie sollten KRITIS-Unternehmen ihre Cyberabwehr stärken?


Für Betreiber kritischer Infrastrukturen ist eine robuste Cyberabwehr keine Option, sondern eine Überlebensnotwendigkeit für die Gesellschaft. Angesichts professioneller Bedrohungslagen reicht ein rein reaktiver Schutz längst nicht mehr aus, um Ausfälle abzuwenden. Mit den folgenden strategischen und technischen Maßnahmen sichern Sie Ihre Systeme proaktiv gegen die Risiken von morgen ab:

  1. Präventive Sicherheitskontrollen konsequent etablieren:
    Cyberangriffe und Datenverlust haben im KRITIS-Umfeld verheerende Folgen. Lassen Sie es erst gar nicht dazu kommen. Durch Device Control minimieren Sie das Risiko, dass Schadcode überhaupt in Ihre Netzwerke gelangt, während Application Control dessen Ausführung blockiert. Jede erfolgreich vereitelte Aktion entlastet Ihre IT-Infrastruktur, da sie später nicht erst aufwendig erkannt (Detection) und isoliert werden muss.
  2. Organisatorische und infrastrukturelle Notfallmaßnahmen verankern:
    Stellen Sie die lückenlose Erreichbarkeit und Verfügbarkeit Ihres Fachpersonals sowie Ihrer externen Dienstleister für Präventions- und Reaktionsmaßnahmen sicher. Alle Kontaktdaten, Eskalationspfade und Verantwortlichkeiten müssen zwingend schriftlich und physisch offline dokumentiert sein, damit sie auch bei einem vollständigen Netzwerkausfall sofort griffbereit sind.
  3. Business Continuity Management (BCM) krisenfest aufstellen:
    Prüfen und aktualisieren Sie Ihre BCM-Notfallpläne regelmäßig. Kalkulieren Sie dabei bewusst das Szenario ein, dass wichtige externe Dienstleister oder Lieferketten im Ernstfall selbst betroffen sind und temporär ausfallen. Definieren Sie klare Autarkie-Prozesse, um den potenziellen Schaden auch eigenständig effektiv bewältigen zu können.
  4. Sicherheitsbewusstsein (Security Awareness) in der Belegschaft verankern:
    Der Mensch bleibt eines der Hauptangriffsziele für Social Engineering und Phishing. Schulen Sie Ihre Mitarbeitenden durch praxisnahe Trainings und simulierte Angriffe fortlaufend darin, Cyberbedrohungen frühzeitig zu erkennen. Eine wachsame Belegschaft fungiert als menschliche Firewall und meldet Anomalien, bevor daraus ein kritischer Vorfall entsteht.
  5. Kontinuierliche Validierung durch Audits und Penetrationstests:
    Verlassen Sie sich nicht auf eine einmal aufgebaute Verteidigung. Überprüfen Sie Ihre Schutzmaßnahmen regelmäßig durch unabhängige Penetrationstests und technische Audits, um Schwachstellen aufzudecken, bevor Angreifer es tun. Erst die kontinuierliche Überprüfung stellt sicher, dass Ihre Abwehrmechanismen den aktuellen Angriffsmethoden standhalten.

 

B. Cyberabwehr: Reduzieren Sie Ihre Angriffsflächen


Gerade jetzt ist es an der Zeit, ihre Systeme auf aktuellen Patch-Stand zu bringen. Bereiten Sie das Einspielen von Notfall-Patches vor. Zu den Grundlagen eines Vulnerability-Managements gehört eine vollständige Bestandsaufnahme aller Hardware- und Software-Assets im gesamten Unternehmensnetzwerk. Bevor Sie Ihre Angriffsfläche angemessen schützen können, müssen Sie alle darin enthaltenen Assets identifizieren. Vulnerability Management bewertet kontinuierlich Risiken und wird durch Automatisierung zur täglichen Routine.

Erschweren (Härten) Sie die Authentifizierung in ihr Unternehmensnetzwerk durch Multi-Faktor-Authentifizierung, mindestens durch die Sicherstellung unterschiedlicher Passwörter für jedes System. Verwenden Sie für unterschiedliche Netze verschiedene Konten und vermeiden Sie Administrator-Konten wo es geht. Erschweren Sie Lateral Movement ins/innerhalb des internen Netzwerks.

 

C. Verstärken Sie Detektionsmaßnahmen, um Angriffe schnellstmöglich zu entdecken


Etablieren Sie ein Sicherheits-Logging und überwachen Sie insbesondere externe Zugriffe durch kontinuierliches Monitoring. Configuration Monitoring umfasst Aktivitäten, mit denen festgestellt werden soll, ob Systeme in Übereinstimmung mit den vereinbarten Baseline-Konfigurationen der Organisation konfiguriert sind und ob die im System identifizierten Komponenten mit dem von der Organisation geführten Component Inventory übereinstimmen.

Das Monitoring identifiziert unentdeckte und nicht dokumentierte Systemkomponenten, Fehlkonfigurationen („Misconfigurations“), Schwachstellen sowie nicht autorisierte Änderungen. Werden sie nicht angegangen, setzen sich Organisationen einem erhöhten Risiko aus. Der Einsatz automatisierter Tools hilft Unternehmen, effizient zu erkennen, wann das System nicht mit der genehmigten Baseline-Konfiguration übereinstimmt und wann Abhilfemaßnahmen („Remediation Actions“) erforderlich sind.

 

D. Denken und bereiten Sie Reaktionsmaßnahmen vor


Erstellen Sie aktuelle Datensicherungen (Backups). Sorgen Sie für eine strikte Befolgung der 3-2-1-Regel (mindestens drei Kopien der Daten, gespeichert auf zwei verschiedenen Medientypen, wobei eine Kopie extern/offline gehalten wird).

  • Erstellen Sie aktuelle Datensicherungen (Backups). Sorgen Sie für eine strikte Befolgung der 3-2-1-Regel (mindestens drei Kopien der Daten, gespeichert auf zwei verschiedenen Medientypen, wobei eine Kopie extern/offline gehalten wird).

  • Lagern Sie Kopien offline und redundant. Wenden Sie das Prinzip der "Air Gap" an: physische oder logische Trennung der Backup-Kopien vom aktiven Netzwerk. Dies verhindert, dass Ransomware oder andere Angreifer die Backups verschlüsseln oder löschen können – eine fundamentale Maßnahme der Cyberabwehr.

  • Testen Sie ein möglicherweise notwendiges Recovery, ggf. nach „Totalem Datenverlust“. Führen Sie regelmäßige und realistische Wiederherstellungsübungen durch. Dies beinhaltet die Simulation eines kompletten Ausfalls, um sicherzustellen, dass Sie wissen:

    • Welche Daten zuerst wiederhergestellt werden müssen (Priorisierung geschäftskritischer Systeme).

    • Wie lange das Recovery tatsächlich dauert (Definition der RTO – Recovery Time Objective).

    • Ob das Notfallwiederherstellungsteam die Prozesse fehlerfrei beherrscht.

Zusätzlich zur Datensicherung ist die Vorbereitung eines Incident-Response-Plans unerlässlich für die Cyberabwehr. Dieser Plan muss klar definierte Schritte und Verantwortlichkeiten enthalten, um im Ernstfall schnell und koordiniert reagieren zu können: Erkennen, Eindämmen, Eliminieren und Wiederherstellen.

E. Planen Sie Aufwuchs- und Durchhaltefähigkeit Ihrer IT & Sicherheitsteams bei Verschärfung der Lage


Wenn sich eine Cybersicherheitskrise zuspitzt, geraten interne Teams durch Dauerbelastung und Personalengpässe extrem schnell an ihre Belastungsgrenzen. Ein vorausschauender Skalierungsplan stellt sicher, dass Ihre Verteidigungslinien auch bei langanhaltenden und komplexen Schadenslagen stabil bleiben:

  1. Implementierung von rollierenden Schichtplänen (24/7-Betrieb):
    Bereiten Sie feste Pläne für den Mehrschichtbetrieb vor, um eine lückenlose Überwachung und Reaktion zu garantieren. Durch vordefinierte Ablösungen und Ruhezeiten verhindern Sie eine Übermüdung der Kernbelegschaft und sichern die kontinuierliche Handlungsfähigkeit über Tage oder Wochen hinweg.
  2. Nutzung externer Unterstützung durch Incident Response Dienstleister (Retainer):
    Binden Sie im Vorfeld spezialisierte Cyber-Response-Dienstleister vertraglich ein. Diese externen Experten können bei einer Eskalation der Lage sofort per Knopfdruck ("On-Demand") hinzugeschaltet werden, um Ihr internes Team personell und fachlich massiv zu entlasten.
  3. Fokus auf den Critical Infrastructure Protection durch strikte Priorisierung:
    Legen Sie eine klare Priorisierungsmatrix für Ihre Teams fest. Wenn Ressourcen knapp werden, müssen alle verfügbaren Kapazitäten primär auf den Critical Infrastructure Protection – also den Schutz der lebenswichtigen Kernsysteme – konzentriert werden, während unkritische IT-Projekte oder Standard-Support-Anfragen konsequent pausiert werden.
  4. Cross-Training und Definition von Notfall-Rollen:
    Schulen Sie IT-Mitarbeiter aus anderen Fachbereichen (z. B. Netzwerk- oder Systemadministration) grundlegend in First-Level-Sicherheitsaufgaben. Im Ernstfall können diese Kollegen klar definierte Assistenzrollen übernehmen und Routineaufgaben abfangen, damit sich die Security-Spezialisten voll auf die Angriffsabwehr fokussieren können.
  5. Etablierung von Schatten-Teams und Redundanzen:
    Teilen Sie Ihre Führungskräfte und Schlüssel-Analysten in voneinander isolierte Teams auf (Team A und Team B). Sollte ein Team beispielsweise durch Ausfälle oder extreme Überlastung wegbrechen, steht das Schatten-Team bereit, um die Koordination der Krise nahtlos und ohne Wissensverlust zu übernehmen.

F. Resilienz ist kein Zustand, sondern ein kontinuierlicher Prozess


Die aktuellen Warnungen des BSI unterstreichen unmissverständlich, dass der Schutz kritischer Infrastrukturen und nationaler Behörden keinen Aufschub duldet. Eine verschärfte Bedrohungslage verzeiht keine Lücken in der Verteidigung. Doch die entscheidende Erkenntnis lautet: Cyber-Resilienz entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch das lückenlose Ineinandergreifen von Prävention, präziser Detektion und einer durchdachten, personell skalierbaren Reaktionsfähigkeit.

Unternehmen, die jetzt ihre Angriffsflächen minimieren, unerbittlich nach der 3-2-1-Regel sichern und ihre Teams auf den Ernstfall vorbereiten, schützen nicht nur ihre eigenen Daten – sie sichern das digitale Fundament unserer Gesellschaft.

Der nächste Schritt: Warten Sie nicht auf den Ernstfall. Nutzen Sie die BSI-Empfehlungen als Checkliste, prüfen Sie noch heute Ihre Offline-Notfallpläne und simulieren Sie die Wiederherstellung Ihrer kritischsten Systeme. Die investierte Zeit von heute ist Ihre Überlebensversicherung von morgen.

Quelle: Die ausführliche BSI-Liste finden Sie hier.
Fotos: iStock