DriveLock Blog | IT Sicherheit und Cyber Security

EDR - Analyse des Verhalten anstatt von filebasierten Cyberattacken

Geschrieben von DriveLock | May 14, 2020 7:59:51 AM

MerkmalDie fortschrittlichen Techniken, die Angreifer heute einsetzen, erfordern umfassendere und proaktivere Sicherheitsmaßnahmen. Eine der wirkungsvollsten Methoden, um die Sicherheitslücke zwischen der Erkennung und der Reaktion auf Bedrohungen zu schließen, ist die Implementierung einer Endpoint Detection and Response (EDR)-Lösung.

 

INHALT
  1. DER EDR-PLATTFORM AUF DER SPUR
  2. WAS LEISTET ENDPOINT DETECTION AND RESPONSE?
  3. DIE FUNKTIONEN EINER ENDPOINT DETECTION & RESPONSE (EDR)-LÖSUNG
    B.1 ÜBERWACHUNG DER AKTIVITÄT DES ENDPUNKTS IN ECHTZEIT
    B.2 UNTERSTÜTZUNG VON FORENSISCHEN ANALYSEN UND DER SUCHE VON BEDROHUNGEN
    B.3  IDENTIFIKATION VON ANGRIFFEN DURCH VERHALTENS- ODER HEURISTIK- ANALYSE
    B.4 BEREINIGUNG UND BEHEBUNG VON PROBLEMEN
  4. EDR VS. XDR vs. MDR
  5. EDR-COMPLIANCE
  6. WARUM IST EDR-SICHERHEIT WICHTING?

 

EDR-Plattformen bieten eine ganzheitliche Sicht auf alle Aktivitäten auf den Endpunkten eines Netzwerks und ermöglichen es Unternehmen, nicht nur eindringende Malware zu identifizieren, sondern auch verdächtige Verhaltensmuster zu erkennen, die auf tieferliegende Cyberbedrohungen hinweisen. In diesem Blogbeitrag werden wir die Schlüsselkomponenten einer typischen EDR-Lösung untersuchen und aufzeigen, wie diese Systeme dazu beitragen, moderne Unternehmen vor immer raffinierteren Angriffen zu schützen.

A. Der EDR-Plattform auf der Spur


In unserem letzten Blog-Post „Von stillen Hackerangriffen zur Notwendigkeit von Detection-Mechanismen“ haben wir über verdeckte Cyberangriffe und die Notwendigkeit für Detection-Werkzeuge gesprochen. Nun möchten wir Ihnen eine typische EDR-Lösung mit ihren Bausteinen vorstellen.

EDR, eine Abkürzung für Endpoint Detection and Response, stellt eine entscheidende Weiterentwicklung im Bereich der Cybersicherheit dar, die über herkömmliche, reaktive Abwehrmechanismen hinausgeht. Im Kern ist EDR eine hochentwickelte Endpunkt-Sicherheitslösung, die Daten von Endbenutzergeräten – wie Laptops, Desktops, Servern und Mobilgeräten – kontinuierlich überwacht und analysiert, da diese als kritische Einfallstore für Cyberbedrohungen dienen. Im Gegensatz zu herkömmlicher Antivirensoftware, die sich in erster Linie auf die Erkennung bekannter Signaturen stützt, verwenden EDR-Systeme fortschrittliche Analysen und Verhaltensüberwachung, um verdächtige Aktivitäten in Echtzeit zu identifizieren, zu untersuchen und darauf zu reagieren.

Der Begriff „Endpoint Detection and Response“ wurde ursprünglich von Gartner-Analyst Anton Chuvakin geprägt. Er definierte EDR als „Lösung, die Verhaltensweisen auf Endpunkt-Systemebene aufzeichnet und speichert, verschiedene Datenanalysetechniken zur Erkennung verdächtiger Systemverhalten einsetzt, Kontextinformationen bereitstellt, bösartige Aktivitäten blockiert und Vorschläge zur Behebung der Probleme liefert, um betroffene Systeme wiederherzustellen

Hier noch einmal kurz zusammengefasst, was eine EDR-Plattform leistet:

  • Sichtbarkeit aller Aktionen auf den Endpunkten: Es werden Security-Events und nicht nur eindringende Malware erkannt.

  • Aufdeckung von und Reaktion auf Cyber-Bedrohungen und -Angriffe

  • Verhaltensanalysen

  • Vorteil gegenüber einfachen Anti-Malware-Lösungen, die nur zum Zeitpunkt des Eindringens in die Systeme gegen explizite, bekannte Schadsoftware helfen, aber z.B. nicht gegen dateilose Schadsoftware.

B. Was leistet Endpoint Decetion and Response?


Für Unternehmen in der Fertigungsindustrie oder im Gesundheitssektor ist die Verfügbarkeit von Systemen kritisch. Eine Endpoint Detection and Response Lösung hilft diesen Organisationen, gezielte Angriffe wie Ransomware frühzeitig zu stoppen, indem sie verdächtige Muster identifiziert. In der Industrie verhindert dies den Stillstand von Produktionsstraßen, während es im Krankenhaus den Schutz sensibler Patientendaten garantiert.

Die Software sucht dabei gezielt nach sogenannten Indicators of Compromise (IoC) – das sind digitale Spuren, die auf einen bereits erfolgreichen oder laufenden Einbruch hindeuten, wie etwa ungewöhnliche Registry-Änderungen oder unbekannte Netzwerkverbindungen.


C. 4 Funktionen einer EDR-Lösung

1. Überwachung der Aktivität des Endpunkts in Echtzeit

Es gibt Analysen, dass ein Angriff über eine Living-of-the-Land-Attacke (LotL) - sogenannte "file-less Attacken" - im Durchschnitt bis zu 200 Tage unerkannt bleibt. Endpoint Detection & Response (EDR) Lösungen ermöglichen die „stille“ Beobachtung eines Eindringlings ohne einzugreifen.

Erkennung, Sammlung und Querkorrelation von Daten

Eine EDR-Lösung bietet die Möglichkeit, Daten unternehmensweit zu erkennen und zu korrelieren. Sie sammelt während einer Attacke Informationen zu:

  • laufenden Prozessen,
  • Dateien, auf die zugegriffen wird,
  • gestarteten Programmen,
  • Geräten, die angeschlossen werden,
  • der Art des Zugriffs, der über das Netzwerk auf dem Endpunkt erfolgt,
  • unternommene Anmeldeversuche,
  • Änderungen gegenüber der Endpoint Baseline, in der Standard-Sicherheitseinstellungen vorgegeben wurden, z.B. installierte unautorisierte Software

2. Unterstützung von forensischen Analysen und der Suche von Bedrohungen

Die EDR-Lösung  für die Durchführung ihrer Analyse von auffälligem bzw. abweichendem Verhalten auf dem Endgerät.
Wenn es um Cybersicherheit geht, sollte ein Sicherheitsteam jederzeit den Status und Fortschritt seiner Nachforschungen berichten können. Vorraussetzung hierfür ist das Verständnis typischer Angriffsvektoren und Angriffsvorgehensweisen.

Angriffstechiken und Vektoren - Welche Attacken gibt es?
Greifen wir die MITRE ATT&CK™-Datenbank als Beispiel heraus: Diese Datenbank bietet tiefgreifende Informationen über Angriffstaktiken und Angriffstechniken und sie basiert auf realen Beobachtungen. MITRE ATT&CK™ ist kostenlos.

Verfolgung von Vorfällen: Thread Hunting
Wieviele Vorfälle während der Bedrohungssuche (Threat Hunting) aufgedeckt werden, sollte aber nicht als einziger Erfolgsindikator gelten. Was ist, wenn man nichts Auffälliges findet und trotzdem etwas vorhanden ist?
Es ist deshalb wichtig zu prüfen, ob die richtigen Daten gesammelt wurden, ob die Automatisierung verbessert wurde und wie viel das Team über seine eigene Umgebung weiß, wenn es nach bestimmten gegnerischen Techniken sucht. Dies funktioniert nur mit Fokus auf die richtigen Daten – und hier unterstützt die EDR-Lösung.

3. Identifikation von Angriffen durch Verhaltens- oder Heuristik- Analyse

Eine Verhaltens- oder Heuristikanalyse kann neue Techniken und Malware identifizieren, ohne sich auf bekannte Signaturen zu verlassen. Unter Signaturen verstehen wir u.a. die etablierte Praxis von Softwareherstellern, ihre Programme zu signieren.

Antivirus-Programme (AV) arbeiten auf Basis bekannter Signaturen und können daher nur das melden oder verhindern, was sie auch kennen. Beschreibungen für Schadsoftware sind aber oft nicht aktuell oder fehlen ohnehin aufgrund der Menge auftretender Varianten.

Ein AV-Lösung kann eine Malware-Signatur erkennen, diese ist eine fortlaufende Folge von Bytes, die in Malware enthalten sind. Aber Zero-Day-Angriffe beispielsweise manipulieren die Signatur und werden von AV-Lösungen oft nicht erkannt.

Bei Ransomware-Angriffen handelt es sich um Software, die von Usern – häufig über einen infizierten Email-Anhang – eingeschleust wird . AV schützt nicht immer vor Ransomware, da die Signatur der Malware manchmal neu oder nicht erkennbar ist.

Im Gegensatz zu einer Ransomware-Bedrohung ist ein dateifreier Malware-Angriff ein Angriff auf vorhandene Windows-Tools und keine schädliche Software, die auf dem Computer des Opfers installiert wird. Daher gibt es keine Signatur, die der AV abholen kann.

4. Bereinigung und Behebung von Problemen

EDR-Lösungen ermöglichen eine effektivere Bereinigung und Behebung nach einem Angriff. Die Gegenreaktionen bzw. Responses werden (bei DriveLock) in einer Policy konfiguriert. Responses werden beim Eintreten eines Alerts automatisch ausgeführt oder zentral durch einen Administrator.

Mögliche Responsemöglichkeiten bei Alerts sind u.a.:

  • Rechner in Quarantäne schicken bzw. vom Netzwerk isolieren, Prozesse killen, Sicherheitseinstellungen hochregeln

  • Ausführen beliebiger Scripts und Batchfiles (z.B. Powershellscript)

  • Ändern der Gruppenmitgliedschaft zum Steuern von Policies

  • Bewerten von Benutzerverhalten (User Score)

  • Bestimmung von unsicheren Computern (Computer Score)

  • Starten einer Security Awareness-Kampagne

D. EDR vs. XDR vs. MDR

 

Merkmal

Endpoint Detection and Response (EDR)

Extended Detection and Response (XDR)

Managed Detection and Response (MDR)

Fokus

Spezifisch auf Endgeräte (Laptops, Server).

Ganzheitlich über Netzwerk, Cloud und Endpunkte hinweg.

EDR/XDR als Dienstleistung (Outsourcing an Experten).

Datenquellen

Endpunktdaten.

Korrelation verschiedener Sicherheitslayer.

Je nach Anbieter variierend.

Betrieb

Durch das interne IT-Team.

Durch das interne IT-Team oder Partner.

Durch einen externen Security-Dienstleister (24/7).

 

D. EDR-Compliance


Endpoint Detection and Response-Compliance bezieht sich auf die Einhaltung von Vorschriften und Standards im Zusammenhang mit Endpoint Detection and Response (EDR)-Systemen. EDR-Systeme sind Sicherheitslösungen, die darauf abzielen, Bedrohungen an Endpunkten (wie Computern, Smartphones und Servern) in einem Netzwerk zu erkennen, darauf zu reagieren und sie zu beheben.

  1. Erkennung und Reaktion auf Bedrohungen: EDR-Systeme müssen in der Lage sein, Bedrohungen wie Malware, Ransomware oder unbefugte Zugriffe auf Endpunkte zu identifizieren und darauf zu reagieren. Die Compliance fordert sicherzustellen, dass diese Erkennungs- und Reaktionsmechanismen effektiv und den Vorschriften entsprechend funktionieren.

  2. Datensammlung und -analyse: EDR-Lösungen sammeln und analysieren Daten von Endpunkten, um ungewöhnliche Aktivitäten zu erkennen. Die Compliance stellt sicher, dass diese Datenerfassung im Einklang mit gesetzlichen Datenschutzanforderungen steht und nur die notwendigen Daten verarbeitet werden.

  3. Regelmäßige Überwachung und Reporting: Um die Compliance sicherzustellen, müssen Unternehmen regelmäßig Berichte über Sicherheitsvorfälle, Systemzustand und Reaktionsmaßnahmen erstellen. Dies hilft nicht nur bei der Einhaltung von Vorschriften, sondern auch bei der ständigen Verbesserung der Sicherheitsstrategien.

  4. Sicherheitsrichtlinien und -Prozesse: EDR-Compliance erfordert, dass Sicherheitsrichtlinien und -prozesse dokumentiert und eingehalten werden. Dies umfasst Richtlinien zur Bedrohungserkennung, Incident-Response-Pläne und regelmäßige Audits, um sicherzustellen, dass die Sicherheitsmaßnahmen aktuell und wirksam sind.

  5. Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitslösungen: EDR-Systeme müssen oft mit anderen Sicherheitslösungen (wie Firewalls, Antivirus-Programmen oder SIEM-Systemen) integriert werden. Die Compliance verlangt, dass diese Integrationen reibungslos funktionieren und den gesamten Sicherheitsansatz unterstützen.

E. Warum ist EDR-Sicherheit wichtig?


Robuste Endpunktsicherheit war noch nie so wichtig wie heute. In der dynamischen Bedrohungslandschaft von heute ist EDR ein unverzichtbarer Eckpfeiler für Unternehmen und Behörden. Mit der zunehmenden Verbreitung von Remote- und Hybrid-Arbeitsmodellen reichen herkömmliche Perimeter-Abwehrmaßnahmen nicht mehr aus, da jeder Endpunkt außerhalb des Unternehmensnetzwerks zu einem potenziellen Einfallstor für Angreifer wird. Endpoint Detection and Response-Lösungen bieten die erforderliche Transparenz und Kontrolle zum Schutz dieser verteilten Geräte und gewährleisten so die Geschäftskontinuität und Datenintegrität.

Aus folgenden Gründen ist EDR für alle Unternehmen von entscheidender Bedeutung:

  • Anpassung an verteilte Belegschaften: Endpoint Detection and Response schützt Geräte auch außerhalb des Firmennetzwerks, etwa im Homeoffice oder in öffentlichen WLANs. So werden Sicherheitslücken geschlossen, die herkömmliche Firewalls oder VPNs nicht abdecken können.

  • Proaktive Erkennung von Bedrohungen über Signaturen hinaus: EDR nutzt fortschrittliche Verhaltensanalysen, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz, um anomale Aktivitäten und Indikatoren für Kompromittierung (IoCs) oder Angriffe (IoAs) zu erkennen, die selbst auf neuartige oder unbekannte Bedrohungen hinweisen, und bietet so eine wichtige Verteidigungslinie gegen Advanced Persistent Threats (APTs) und Zero-Day-Exploits.

  • Verbesserte Transparenz und Einblicke: EDR korreliert Telemetriedaten wie Prozessaktivitäten und Netzwerkverbindungen für eine lückenlose Sichtbarkeit jedes Endpunkts. Sicherheitsteams verstehen dadurch Angriffsketten besser und identifizieren die Ursachen von Sicherheitsverletzungen präzise.

  • Beschleunigte Reaktion auf Vorfälle und Untersuchungen: Die Lösung reduziert die Verweildauer von Angreifern, indem sie forensische Daten zur schnellen Verfolgung der Infektionswege liefert. Dies ermöglicht eine effiziente Priorisierung von Warnmeldungen und minimiert potenzielle Betriebsschäden.

  • Automatisierte Behebungs- und Reaktionsfunktionen: Viele Systeme neutralisieren Bedrohungen sofort automatisch, beispielsweise durch die Isolierung infizierter Geräte oder das Beenden bösartiger Prozesse. Das entlastet die IT-Teams und stellt sicher, dass Angriffe auch ohne sofortiges menschliches Eingreifen gestoppt werden.

  • Verbessertes Schwachstellenmanagement und verbesserte Sicherheitslage: Durch kontinuierliches Monitoring identifiziert die Software Fehlkonfigurationen und ungepatchte Programme proaktiv. Diese Einblicke helfen dabei, die Angriffsfläche des Unternehmens gezielt zu verringern und Sicherheitsmaßnahmen zu priorisieren.

Eine leistungsstarke EDR-Lösung spielt eine zentrale Rolle in der Verteidigungsstrategie eines Unternehmens. Die Fähigkeit, Bedrohungen nicht nur zu erkennen, sondern auch effizient darauf zu reagieren und sie zu beheben, macht EDR zu einem unverzichtbaren Werkzeug in der IT-Sicherheit. Von der Echtzeitüberwachung und forensischen Analyse bis hin zur proaktiven Bedrohungssuche deckt eine umfassende EDR-Lösung alle Aspekte ab, die zur Minimierung des Risikos von Cyberangriffen erforderlich sind.

Die Zukunft der Endpunkt-Erkennung und -Reaktion liegt in einer noch tieferen Integration künstlicher Intelligenz, um prädiktive Analysen zu ermöglichen. Die Netzwerksicherheitsvorfälle, die sich in den letzten Wochen des Jahres 2025 ereignet haben, haben schmerzlich gezeigt, dass isolierte Schutzmaßnahmen nicht mehr ausreichen. Nur durch nahtlose Überwachung und schnelle Reaktionsmöglichkeiten können kritische Sektoren langfristig geschützt werden. Wer heute auf moderne Sicherheitsarchitekturen setzt, sichert nicht nur seine Daten, sondern auch die Kontinuität seines gesamten Geschäftsbetriebs. Endpoint Detection and Response bleibt daher der entscheidende Baustein für eine resiliente digitale Zukunft in Europa.